Montag, 9. August 2010Die Arroganz des potentiellen WissensLetzte Woche habe ich jemand zum Thema Gott sagen hören, er wäre eine Einbildung. Es war ein Naturwissenschaftler der Uni Hohenheim. Als ich so darüber nachgedacht habe fiel mir Augustinus wieder ein und seine Einsicht, dass wir uns Vieles nur einbilden bzw. es glauben, weil wir es gar nicht wissen. Natürlich könnten wir durch die wissenschaftlichen Fortschritte heute viele Dinge herausfinden. So ließe sich zum Beispiel die Frage der Mutterschaft relativ exakt beantworten. Unter Umständen kämen noch Schwestern mit der gleichen Blutgruppe in Frage, wenn ich richtig informiert bin. Aber egal. Der Punkt ist, die Möglichkeitsform: wir könnten. Fakt ist, dass 99,9% der Menschen nach wie vor nur glauben, dass ihre Mutter ihre Mutter ist. Niemand hat es überprüft. Aber die Möglichkeit das zu tun, lässt das Argument des Augustinus wie einen alten Hut erscheinen. Und so viele andere Dinge, die für Augustinus noch im Reich des Glaubens waren, scheinen jetzt in den Bereich des Wissens gerückt zu sein. Zumindest für irgendwen. Deswegen wagt sich ein Naturwissenschaftler die Aussage über die Nichtexistenz Gottes mit wissenschaftlicher Sicherheit und Autorität vorzutragen, obwohl er eigentlich keine Ahnung davon hat, es nicht überprüft hat. Wir wissen heute ... ja hast du es nachgeprüft? Nein. Aber man könnte es. Beziehungsweise irgendjemand hat es nachgeprüft. Ist es nicht erstaunlich? Das wird einfach so geglaubt. Und die Grenze zwischen Fakt und Fiktion ist dabei fließend. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Evolution. Da wissen ganz viele ganz viel. Sicheres Wissen. Je mehr man nachforscht um so mehr Glauben ist da aber dabei. Wenn man jetzt noch die Medien ins Spiel bringt, dann ist es ganz vorbei, dann sind wir mitten in der Informationskrise. Woher hast du denn all dein Wissen? Selbst wenn du versuchst es zu verifizieren? Aus Büchern? Denen glaubst du? Aus dem Fernsehen? Ohoh ... Wer nicht weiß, was ich meine soll sich mal "Wag the dog" anschauen, da wird das auf etwas überzeichnete Weise thematisiert. Mir scheint, dass wir heute genausoviel glauben, wie im Mittelalter oder zur Zeit des Augustinus. Allein, wir halten uns für wissend und entwickeln eine Arroganz, die darauf beruht, dass wir es gegebenenfalls sicher herausfinden könnten, wenn wir wollten. Genau diese Arroganz (ist wieder ein glaube) aber stellt sich bei den wenigen, die wirklich wissend sind gar nicht so ein. Je tiefer man in eine Wissenschaft eindringt, desto mehr Fragen kommen auf. Die wahren Experten sind ganz vorsichtig, kommen deswegen aber auch nicht in die Medien. Und selbst wenn diese in ihrem Fachbereich alle Antworten hätten, so gälte doch die Erkenntnis des Aristotels in seine Metaphysik: man kann nie alles beweisen, mindestens eine Voraussetzung muß man glauben. Von daher plädiere ich für eine Demut des Unwissens, sowohl in der Theologie, als auch in den Naturwissenschaften! Donnerstag, 1. Juli 2010Sabbat Vor einigen Wochen kam ich am Samstag in eine der größeren Adventgemeinden in Deutschland und nahm dort an einem Gesprächskreis über das Thema Sabbat teil. Zumindest war das die Überschrift. Inhaltlich ging es dann um das Thema Burn-Out. Es war ein durchaus intelligentes Gespräch, lauter gebildete Leute, hab viele interessante Einsichten bekommen. Trotzdem war es im Grunde eine Themaverfehlung.Das Interessante war, dass anscheinend niemand außer mir das so gesehen hat. Jeder, der Erfahrung mit den Bibelgesprächen in adventistischen Gottesdiensten hat, weiß, dass Themaverfehlungen nichts außergewöhnliches sind. Und im Grunde bin ich sogar ein Beführworter von Themaverfehlungen, solange sie im Rahmen bleiben, sprich einen geistlichen Bezug haben. Alle mal besser, als ein gerade in Gang kommendes Gespräch abzuwürgen um "zum Dienstag zu kommen" (Insider ...). In diesem Fall war es aber anders. Das Gespräch entfaltete sich wunderbar über 30 Minuten lang und niemand schien das Gefühl zu haben, nicht genau über das Thema zu sprechen. Und ich wage zu behaupten, dass an diesem Sabbat in vielen vielen anderen Gesprächskreisen das gleiche Phänomen auftrat. Dahinter liegt, so wurde mir während des Zuhörens und auch beim nach Hause fahren bewußt, ein grundsätzliches Mißverständnis in der adventistischen Sabbattheologie. Man könnte es einen antropozentrischen Zugang zum Sabbat nennen. Aber nur wenn man - so wie ich - gern gebildet klingen will. Denn eigentlich ist nicht der Mensch im Zentrum dieses falschen Sabbatverständnisses, sondern die Ruhe. Die falsch verstandene Ruhe. Gerechtfertigt wird das ganze dann aber mit dem Satz Jesu: "Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen, nicht der Mensch um des Sabbats willen." Historisch ist das auch ein Stück weit nachvollziehbar. Vor ein oder zwei Generationen war der Sabbat wohl wirklich noch bestimmt von Regeln. Davon hat man sich befreit und rausgekommen ist die "Mach mal Pause" Theologie. Der Sabbat wird als ein göttliches Rezept gegen Stress gesehen und verkauft. Als geniale Einrichtung des Schöpfers, um den Menschen vor dem ausbrennen zu bewahren. Das führt dann soweit, dass - wie an dem oben erwähnten Samstag zu hören - Leute sich im Namen der Sabbatheiligung von allen Aufgaben im Gottesdienst oder in der Gemeinde zurück ziehen. Um auch wirklich Ruhe zu haben. Abraham Heschel schreibt in seinem Buch "Der Schabbat" (das übrigens jeder Mensch gelesen haben sollte), dass diese Sicht auf Philo von Alexandrien zurück geht. Er erklärte den Römern, die die Juden für faul hielten, weil sie einen Tag in der Woche ruhten, dass dieser Tag dazu da wäre, um die restlichen Tage der Woche noch besser und effektiver arbeiten zu können. Genau das, was wir heute vertreten. Heschels trockener Kommentar: "Hier wird der Sabbat nicht im Sinne der Bibel verstanden." Damals, in der Gesprächsrunde, konnte ich das nicht so klar formulieren, aber ich habe schon gesagt, dass es doch nicht Sinn des Sabbats sein kann, den Rest der Woche genauso zu hetzen und zu rackern wie der Rest der Menschheit. Wenn der Sabbat wirklich eine Erinnerung an die Schöpfung ist, daran, dass die Dinge gut und fertig sind, weil Gott sie gemacht hat, nicht weil wir uns abmühen, dann sollte sich das doch auf den Rest der Woche auswirken und nicht der Rest der Woche auf den Sabbat. Ich glaube mich hat keiner verstanden, weil wir eben unsere Sabbattheologie auf "Mach mal Pause" reduziert haben. Heschel sagt: Der Sabbat ist Höhepunkt, nicht Intermezzo. Die Woche ist für den Sabbat da, nicht der Sabbat für die Woche. Der Sabbat ist eben vielmehr als eine Weitsichtige Anti-Stress-Maßnahme. Gott hat nicht geruht, weil er fix und fertig war. Und auch wir sollten es nicht deswegen tun. Vielmehr sollten wir so leben, als wüßten wir, dass es nicht darauf ankommt sich wie blöd abzurackern. Leben und Gelingen kommen von Gott und er sorgt für uns.Ich glaube auch, dass das "Mach mal Pause" Argument in unserer Zeit immer weniger zieht. Mag in der Moderne interessant gewesen sein, eine logisch-rationale Begründung für den Sabbat liefern zu können. Heutzutage brauchen wir eine spirituelle Begründung. Deswegen glaube ich, ist es Zeit mit der Verkürzung des siebten Tages aufzuhören. Jesus sagt zwar, dass der Sabbat für den Menschen geschaffen wurde. Man könnte aber, unter einem anderen Blickwinkel genauso sagen, dass der Mensch für den Sabbat geschaffen wurde. Für die Gemeinschaft mit Gott, für die Menucha. Denkt daran, wenn heute Abend die Sonne untergeht.
Geschrieben von Sven Fockner
in Gott, Siebenten-Tags Adventisten
um
21:26
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Sonntag, 16. Mai 2010Kinder des Unglaubens...it is a telling fact that, the world over, the vast majority of children follow the religion of their parents rather than any of the other available religions. Der Vorwurf ist also, dass die Gläubigen ihrer Religion nicht wegen deren Überzeugungskraft anhängen, sondern einfach aus Gewohnheit bzw. weil sie so sozialisiert wurden. Das Argument hat ja auch Gewicht. Warum wechseln die Leute nicht die Religion? Weil ihnen das was sie kennen immer am einleuchtendsten erscheint. Das bedeutet aber, bei mehreren unterschiedlichen Glaubensrichtungen mit widersprüchlichen Inhalten, dass die Überzeugungskraft nicht in den Inhalten liegt. Natürlich muß man auch sehen, dass Religion für die "vast majority" der Menschen auf der Welt keine Privatsache ist, wie für uns im Westen. Zu einer Glaubensgemeinschaft zu gehören hat ganz oft auch eine - vielleicht sogar vornehmlich - soziale Komponente. Wer wechselt verliert auch seinen Platz in der Gesellschaft. Zum anderen muß man, um sich für eine andere Religion entscheiden zu können, diese kennen. Allein das stellt für die "vast majority"auch wieder ein großes Problem dar. Selbst bei uns, wo die Information jederzeit verfügbar ist, braucht es ein Interesse am Glauben und das haben wohl überall nur die wenigsten. Religion ist denn vielleicht auch wirklich für die Mehrheit der Menschen nicht spirituelle Erfüllung sondern abergläubischen Absicherung. Meine Freikirche, verliert einen großen Teil ihrer Kinder. Sind Adventisten also die kritischeren Denker? Freitag, 14. Mai 2010Lügen für den Herrn?
Dank Martin habe ich die ersten 100 Seiten des Briefwechsels zwischen Karl Barth und Charlotte von Kirschbaum als Kopien auf meinem Schreibtisch und schaue immer wieder mal rein. Man kommt sich etwas voyeuristisch vor, wenn man so die Briefe andere Leute liest - wobei vor allem die von Barth erhalten sind. Einen Abschnitt fand ich sehr interessant:
Mit dem Reden vom Glauben mit Anderen denke ich, dass es so ist: es ist erlaubt und geboten, immer ein bisschen mehr zu sagen, als was man "aufrichtig" sagen kann. Im Glauben geht man ja auch einen Schritt über sich selbst hinaus, und so wird es auch beim Rede davon sein. Sagt man zu viel wie die meisten Pastoren, dann ist's natürlich verloren. Das dem eigenen Zustand Entsprechende aber ist zu wenig und hilft auch nicht. Also immer gerade einen Schritt voraus. So lege ich es mir für mich selbst zurecht. Du verstehst es vielleicht trotz der Kürze. Tja, die Pastoren sagen zuviel! Schade, dass er sich so kurz fast, denn wenn schon das was er sagen würde - was weniger ist als die Pastoren sagen - mehr ist als es de facto zu sagen gibt, dann sind wohl ich und meine Kollegen allesamt Phantasten, die sich selbst und andere betrügen. So kann ich mich bei aller Selbstkritik doch nicht sehen. Wobei es sicherlich zutrifft, dass man manchmal das Wahre sagt ohne mit dem Herzen dabei zu sein, einfach weil es wahr ist. Barth verstehe ich hier aber anders - bzw. ich verstehe ihn nicht. Mehr zu sagen als man aufrichtig sagen kann. Heißt das dem anderen vorzuschwärmen von Dingen, die man selbst nicht erlebt? Muß man als Christ automatisch Autoverkäufer sein? Ist es nicht genau das, was das Reden über den Glauben in Veruf gebracht hat - besonders unter Christen. Diese Vermenschlichung der Evangelisation, die dann vom richtigen Maß abhängt, das der Christ wählen muß, vom richtigen Argument, vom richtigen Lächeln, von der richtigen praktischen Hilfeleistung? Wird das Ganze so nicht zur Manipulation? Frei von der Kraft Gottes? Muß nicht das Evangelium für sich selbst sprechen? Durch seine eigene Kraft wirken, nicht durch unsere? Klar müssen wir reden. Aber damit wir auch reden wollen, müssen wir auch ehrlich sein dürfen. Das soll kein Vorwurf an Barth sein, den ich ja gar nicht verstehe und der in einer völlig anderen Zeit gelebt hat. Ich glaube aber einfach, dass wir Angesichts der Entwicklungen in unserer Zeit einen neuen Zugang zum Reden über den Glauben brauchen. Einen freieren, unschuldigeren, unreflektierteren. Zu spät. Schon wieder reflektiert ... Mittwoch, 5. Mai 2010Glaube=Utopie?
Immer wieder mal findet sich in der ZEIT die Zeitschrift Chrismon (das evangelische Magazin) als kostenlose Beilage. In der April Ausgabe wird darin eine Umfrage veröffentlicht, die Ostern zum Anlaß nahm um 1000 repräsentativ ausgewählte Deutsche zu Fragen an welchen Neuanfang sie glauben.
72% der Befragten glauben zum Beispiel, dass ein Tellerwäscher Millionär wird. Bei den unter 40-jährigen sind es sogar 85%. Die Frage wäre jetzt, ob damit gemeint ist, dass sowas vorkommt oder dass es prinzipiell für einen Tellerwäscher möglich wäre. Wenn die Frage in zweiten Sinn verstanden wurde, was ich im Sinne von Generation Me annehme, dann fällt sie für mich in den Bereich des völlig unrealistischen, der Utopie. Ähnlich wie auch die Hoffnung, dass es zwischen Israelis und Palästinensern Frieden herrschen wird. Immerhin 35% haben diese Hoffnung noch nicht aufgegeben. Das Leben nach dem Tod scheint vielen allerdings noch wahrscheinlicher, als der Friede im Nahen Osten. Durchschnittlich 41% der Deutschen glauben an ein solches Leben nach dem Tod. Im Osten sind es 23% im Westen 45% (BaWü 52%). Abhängig vom eigenen Standpunkt kann man jetzt also schlußfolgern, dass die Menschen das Leben nach dem Tod für realistisch halten - wenn man selbst an den amerikanischen Traum oder den Frieden in Israel glaubt - oder, dass das Leben nach dem Tod für die Leute genau so eine Utopie ist, wie die anderen Hoffnungen. Freitag, 26. März 2010Danke Gott
Dank Dennis bin ich vor einiger Zeit auf ein Lied gestoßen, dass ich unter normalen Umständen wohl nie angeklickt hätte - denn es stammt von Sido - einer dieser Aggro-Berlin Witzfiguren, die den Gangsta-Rap nach Deutschland gebracht haben. Was soviel heißt wie: sie benutzen genausoviel Schimpfwörter wie ihre amerikanischen Vorbilder.
Jetzt singt der Mann, der mit dem "Arschficksong" zweifelhaften Ruhm erlangte also über Gott. Mal eine ganz andere Seite. Was soll ich davon halten? Ist alles nur Marketing? Man kann zumindest sehen, dass Religion in unserer Gesellschaft nicht ganz ausgestorben ist. Sie ist noch da, irgendwo unter der Oberfläche. Die Leute setzen sich damit auseinander - irgendwann. Die meisten haken Gott dann allerdings ab - wie es ja auch Sido beschreibt. Trotzdem ist da anscheinend eine latente Sehnsucht nach dem Übernatürlichen, die sich in Beschwerden über Schlechtes (99%) aber auch in Dank wegen Gutem (1%) ausdrückt. Insofern haben wir hier wirklich etwas besonderes, denn in dem Lied geht es vor allem um Dank. Allerdings bin ich absolut sicher, dass Gott an dem "Guten" für Sido (z.B. dem Erfolg des A...songs) genauso unschuldig ist, wie an all dem Schlechten, für das er verantwortlich gemacht wird. Es gibt leider kein Video zu dem Lied, deswegen hier eine von tausend Versionen in der Fans Bilder reingeschnitten haben. Optisch uninteressant, deswegen so klein.
Geschrieben von Sven Fockner
in Gesellschaft, Gott, Kunst, Welt
um
09:48
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Montag, 1. Februar 2010Thomas glaubt Letzte Woche waren Thomas Gottschalk und Hans Küng zusammen in einer Talkshow (Danke Dan). Erst dachte ich: komm 70 Minuten, wer soll sich das anschauen, aber bereits die ersten Dialoge machen klar, dass es hier hochinteressant zur Sache geht. Es wird über Glauben geredet und zwar ganz offen. Und: wer hätte von Gottschalk gedacht, dass er Hans Küng liest? Möchte also diese TV-Tipp an euch weitergeben. Dabei wird auch klar, warum Küng schreibt und Gottschalk Fernsehen macht. Seine Fähigkeit spontan und verständlich zu kommunizieren ist schon außergewöhnlich.Update: Link geht nicht mehr. Leider sind die Sendungen nur eine bestimmte Zeit verfügbar. Hat irgendwer die Sache runtergeladen, oder sie auf Youtube gesehen? Sonntag, 10. Januar 2010Was ist mein Glaube?
Ich weiß nicht genau wieso, aber ich bin zutiefst unzufrieden mit dem Mangel an sichtbarem übernatürlichem Eingreifen Gottes in meinem Leben und überhaupt in der Welt. Immer wieder komme ich an den Punkt, wo ich Gott sage, dass alles so einfach wäre, wenn er mal was tun würde. So wie in der Zeit des Neuen Testaments. Dann könnte ich nicht nur ohne Zweifel glauben, sondern auch mit viel mehr Überzeugung über meinen Glauben sprechen. Dann hätte ich endlich handfeste Anhaltspunkte. Und heißt es nicht in Markus 16
15 Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Also, da steht's! Wir heute versuchen den Auftrag zu erfüllen und unseren Teil zu tun, aber wo bleiben bitte die Zeichen? Da ist man doch argumentativ wirklich schwach aufgestellt, wenn Leute deinen Glauben als Projektion abtun. Klar, da steht "dene, die da glauben". Das ist natürlich immer die billige Ausrede. Zum Schutz Gottes nehmen wir es halt auf uns und sprechen uns mangelnden Glauben zu. Oft schon habe ich mich entschieden zu glauben. Habe gesagt: Okay Herr, auch ohne Zeichen, ich vertraue dir! Selig wer nicht sieht und doch glaubt. Aber eigentlich habe ich das ja nur getan, weil der Text den Glauben als Voraussetzung für die Zeichen nennt. Ich sage also ich glaube, in der Hoffnung, durch diesen Glauben die Wunder zu bekommen, die den Glauben überflüssig machen würden. Mein Glaube hat also eigentlich den Zweck sich selbst überflüssig zu machen. Ist er dann wirklicher Glauben? Und vor allem - geht das überhaupt? Könnte der Glaube jemals überflüssig werden? Selbst wenn Gott jeden Tag allen Menschen erscheinen würde und so ohne Zweifel lassen würde, dass es einen Gott gibt - würde das den Glauben daran, dass er ein guter Gott ist und dass ich als Sünder ihm gegenüber schuldig geworden bin und die Erlösung brauche, die er vor vielen Jahre für mich erwirkt hat überflüssig machen? Nein! Zeichen und Wunder können also nur für den eine Bestätigung sein, der schon glaubt. Deswegen folgen die Zeichen denen die glauben. Deswegen werden sie auch - laut Markus - nur mit der Predigt einhergehen. Nicht einfach so. Zeichen und Wunder allein würden Gottes Ziel mit uns Menschen nicht erreichen. Ein Glaube, der nur glaubt um Wunder zu sehen und zum "Wissen" zu werden funktioniert also nicht. Rational klar. Trotzdem wäre es cool, wenn mal was passieren würde! Donnerstag, 24. Dezember 2009Frohes Fest euch allen!
Heilige Nacht
von Judith Fockner Hast du das Wunder daran schon bedacht, dass eine kleine Frau in einer kalten Nacht – so unbemerkt, als würde solches täglich kommen – dem Leben schenkt, von dem das ihre sie genommen? Gab es für die Geburt des Schöpfers keine Zeit? Gab es denn keine warme, weiche Möglichkeit? Ist´s wahr, dass dem, der alle einst ins Leben brachte, kein Sterblicher die eigene Tür aufmachte? Und wenn du dies bedenkst, bedenke außerdem: Bist du nicht auch ein Mensch aus Bethlehem? Vor dir steht Gott, um alles was er hat zu geben, und du hast leider keinen Platz in deinem Leben? Vielleicht wirst du dich einmal überwinden und für ihn eine alte Krippe finden? Was wird Gott tun, der unser ganzes All erhält? Kommt er in deinem letzten Eck zur Welt? Und: wenn sie ihn in deinen Stall gebettet – Hast du damit dein Leben schon gerettet? Hast du es nicht in Wirklichkeit verloren, wenn Er nicht mitten in dein Herz geboren? Ja, reicht es denn, dass Er dein kleines Kindlein ist, wenn du nicht weißt, ob du Sein kleines Kindlein bist? Erst wenn du ihm die Seele aufgemacht, wird deine Dunkelheit zur Heiligen Nacht. Montag, 26. Oktober 2009Grenzenloses Heil
Dieses Wochenende ist mir im Gottesdienst, während des Bibelgesprächs aufgefallen, dass die Bestimmungen für das Passafest explizite Anweisungen bezüglich Nichtjuden enthalten. Der Text um den es u.a. ging ist folgender:
4Mo 9:14 Und wenn ein Fremder bei euch wohnt und dem HERRN Passah feiern will, soll er es feiern nach der Ordnung des Passah und nach seiner Vorschrift. Ein und dieselbe Ordnung soll für euch sein, sowohl für den Fremden als auch für den Einheimischen des Landes. Das hat mich deswegen bewegt, weil kurz vorher jemand bemerkt hatte, dass Jesus in der Nacht vor seinem Tod das Passa feierte und die Symbole für den Auszug aus Ägypten auf sich als Erlöser bezog. Man könnte von Uminterpretation sprechen, aber ich glaube - angesichts des Geschehens in der ersten Passanacht in Ägypten (diejenigen für die ein Lamm gestorben ist, bleiben am Leben) - dass das Passa schon immer ein Bild für die Erlösung war, auch wenn man es noch nicht voll durchschauen konnte. Und bei dieser "Erlösung" sind immer auch die Fremden mit dabei. Die Juden waren das auserwählte Volk, aber die Erlösung konnte jeder haben, der wollte. Sogar beim großen jährlichen Finale der Befreiung von Schuld, dem Yom Kippur, waren die Nichtjuden mit einbezogen: 3Mo 16:29 Und dies soll euch zu einer ewigen Ordnung sein: Im siebten Monat, am Zehnten des Monats, sollt ihr euch selbst demütigen und keinerlei Arbeit tun, der Einheimische und der Fremde, der in eurer Mitte als Fremder wohnt. Das ist der Gott, zu dem ich gehöre! Ein Gott für alle Menschen, der jeden annimmt der zu ihm kommt.
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Vor einigen Wochen kam ich am Samstag in eine der größeren Adventgemeinden in Deutschland und nahm dort an einem Gesprächskreis über das Thema Sabbat teil. Zumindest war das die Überschrift. Inhaltlich ging es dann um das Thema Burn-Out. Es war ein durchaus intelligentes Gespräch, lauter gebildete Leute, hab viele interessante Einsichten bekommen. Trotzdem war es im Grunde eine Themaverfehlung.
Heschel sagt: Der Sabbat ist Höhepunkt, nicht Intermezzo. Die Woche ist für den Sabbat da, nicht der Sabbat für die Woche. Der Sabbat ist eben vielmehr als eine Weitsichtige Anti-Stress-Maßnahme. Gott hat nicht geruht, weil er fix und fertig war. Und auch wir sollten es nicht deswegen tun. Vielmehr sollten wir so leben, als wüßten wir, dass es nicht darauf ankommt sich wie blöd abzurackern. Leben und Gelingen kommen von Gott und er sorgt für uns.
Letzte Woche waren 