Mit fünfzehn wußte ich, dass mein Vater keinen Plan hat. Mit 25 war ich erstaunt, wieviel der Mann in zehn Jahren gelernt hatte. So der alte Witz. Judith hat mich neulich aber einmal darauf angesprochen, dass in unserer Gesellschaft wirklich die Weisheit der Alten irgendwie verloren gegangen zu sein scheint. Oder hat jemand von euch schon einmal seine Großeltern um rat gefragt? Bei der Berufswahl? Beim Autokauf? Bei der Partnerwahl? Was ist passiert?
Als ich so darüber nachgedacht habe sind mir zwei Aspekte des Problems aufgefallen - bestimmt gibt es noch mehr. Zum einen verändert sich unsere Gesellschaft immer schneller. Die Welt um 1600 war nicht viel anders, als die Welt um 1650. Aber die Welt von 2010 ist eine ganz andere als die von 1960. Baby ist die anders! Das bedeutet zwangsläufig, dass sich die Lebenswelt von Großeltern und Enkeln im Moment derart unterscheidet, dass sie in vielen Bereichen gar keinen fachlichen Rat geben können. Die gesammelte Erfahrung ihres Lebens lässt sich nur indirekt auf die Momentanen Probleme übertragen - und diese Transferleistung fordert viel Reife und Intelligenz auf beiden Seiten.
Zum anderen leben wir aber auch in einer Zeit, die die Unreife zum Ideal typisiert hat. Vor allem wohl aus kommerziellen Gründen orientiert sich die Konsum- und Medienlandschaft am Jugendlichen. Die Werbund, die Produkte, alles ist für Jugendliche gemacht und stellt die Jugend in schillernden und schönen Farben dar. Klar, mit 50 hat man schon einiges an Kleidung, man wächst nicht mehr raus, man ist nicht mehr so abhängig von der Meinung andere, ist unter der Haube und bietet damit deutlich weniger Kaufpotential. Deswegen kann man einen Katalog für 50-Jährige schon mal schnell erstellen, da müssen die Bilder nicht super sein, und das Layout nicht perfekt. Aber die Jugend, die ist kaufkräftig und um die zu bekommen lohnt es sich alle register zu ziehen. Deswegen sehen dann z.B. H&M Werbungen wesentliche besser aus, als Otto Werbungen. Das fällt natürlich auf und so wird der Jugendliche zum Ideal. So will man sein, selbst wenn man alt ist. Logisch, dass die, die so sind, keine Wertschätzung mehr für die haben, die weit vom Ideal entfernt sind. Versteht ihr was ich meine? Ist jetzt vielleicht etwas zu einfach dargestellt, aber anyways. Sven erklärt die Welt. Könnte ja mal posten, was ihr dazu denkt.